Wie verkoste ich einen Wein wie die Profis?

Damit man im Supermarkt (oder noch besser beim Weinhändler) nicht jedes Mal vor dem Weingestell steht wie das Schaf vor dem Wolf, sollte man ab und an einen Wein nicht nur einfach trinken, sondern ihn verkosten. Aber was heisst das genau?

Beim Verkosten versuchen wir, den Wein ganz bewusst und genau wahrzunehmen. Wir schauen uns also seine Farbe an, von der wir Rückschlüsse auf das Alter des Weines ziehen können. Wir halten die Nase tief ins Glas und schnuppern, bis uns der Rüssel schmerzt. Und natürlich nehmen wir einen Schluck und lassen ihn über unsere Papillen rollen, bis es kracht. Mit den so gesammelten Eindrücken können wir einen Wein besser beurteilen, ihn uns besser merken und in Zukunft auch besser vergleichen.

Das Aussehen

Das Aussehen eines Weines verrät uns eigentlich nicht, ob er uns schmecken wird oder nicht. Wir können aber herausfinden, ob der Wein eventuell fehlerhaft oder gar oxidiert ist und somit das zeitliche bereits gesegnet hat. Halte dazu das Glas mit dem Wein vor einen weissen Hintergrund. Das kann das Tischtuch oder ähnliches sein. Halte das Weinglas etwas schräg, so dass du am Rand gut die Farbe erkennen kannst. Jetzt siehst du die Farbe und ob der Wein klar ist. Sollte er eine Trübung haben, könnte das ein Weinfehler sein – jedoch nur bei Weinen, die filtriert wurden. Hat man darauf verzichtet, ist eine leichte Trübung im Wein völlig normal.

Bei älteren Rotweinen kann sich ein Depot bilden. Wenn ich also einen Wein trinken möchte, der älter als acht Jahre ist, kann ich ihn kurz Dekantieren und so das Depot vom Wein trennen. Was der Unterschied zwischen dem Karaffieren und Dekantieren ist, kannst du hier nachlesen.

Weissweine sind in den verschiedensten Gelbtönen anzutreffen. Je mehr Luft sie während des Ausbaus erhalten haben (Ausbau im Holz oder auch die Flaschenreife ), desto farbintensiver werden sie. Alte Süssweine können sogar ins orange- oder fast bernsteinfarbene gehen. Das ist in Ordnung, wenn du einen Sauternes aus den 1990ern oder älter trinken möchtest. Ist hingegen ein junger Weisswein braun, dann ist der mausetot und ist ready für den Abfluss.

Rotweine sind oft rubin- oder granatrot, driften gar je nach Ausbau und Konzentration fast schon ins Schwarze ab. Junge Weine strotzen vor Farbtiefe, während ältere Weine immer weniger davon haben. Beim Rosé ist die Bandbreite auch enorm breit und sagt erstmal gar nichts über die Qualität eines Weines aus.

Der Geruch

Man sieht den Profi oft sein Glas schwenken, als hänge sein Leben davon ab. Da irrt er, und zwar gewaltig. Halte deine Nüstern erstmal tief in das Glas, ohne es zu schwenken. Denn beim ungeschwenkten Wein verflüchtigen sich erstmal die leichteren Aromen. Hier kommen die feinen Fruchtaromen und gegebenenfalls Ausbaunoten vom Fass zum Ausdruck. Erst jetzt schwenkst du das Glas, so dass der Wein am Glasrand etwas hochsteigt. Du musst dafür keine Kulisse für den nächsten Weltuntergang aufbauen, so ein sanfter Wirbel genügt völlig. Der Geruch wird dabei intensiver, da sich der Wein auf der Glasinnenwand erwärmt. Dabei beginnen sich grössere Moleküle zu lösen und man riecht mehr. Diesen Vorgang kannst du wiederholen, so oft du magst, und bis du dir sicher bist, alles zu riechen, was der Planet und deine Erinnerung an Gerüchen eben so hergibt.

Feldweg bei Regen im Herbst

Bei einem Spaziergang bei Regen in der Natur findest du viele Gerüche, die du auch im Wein wieder findest. Nasser Stein wäre so ein Beispiel.

Nebst den guten Gerüchen gibt es auch die Weinfehler. Kurz: Ein Wein sollte weder modrig, muffig oder nach nassem Karton (Korkfehler) riechen noch nach Gummi, faulen Eiern, Blumenkohl, Geranien, erbrochenem und Mäusekäfig. Auch nicht nach Essig oder Lösungsmittel. Einzig ein reifer Riesling von der Mosel/Nahe kann Petrolnoten enthalten, die so gewünscht sind.

Wenn du also Weinfehler ausschliessen konntest, konzentriere dich auf die Aromen, die du kennst: Früchte, Blumen, Gewürze, Holz, Rauch, Leder, getrocknete Früchte, Beeren. Alles kann im Wein vorkommen. Damit das funktioniert, empfehlen wir dir: Rieche bewusst an Früchten, gehe spazieren, rieche an Erde, deinem Teppich und den alten Socken. Egal was, es wird dir in Erinnerung bleiben und du wirst immer mehr Düfte erkennen.

Je mehr unterschiedliche Duftnoten du im Wein findest, desto komplexer ist der Wein und auch seine Qualität. Dabei unterscheiden wir jeweils zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiäraromen. Primäraromen kommen von den Trauben selbst und vom Terroir* . Sekundäraromen entstehen bei der Herstellung im Keller, bei der Gärung im Kontakt mit der Hefe und beim Säureabbau sowie dem Ausbau in Fass oder Stahltank. Tertiäraromen schliesslich entstehen bei der weiteren Entwicklung des Weines in der Flasche.

Der Geschmack

Um richtig zu schmecken, ist affektiertes Nippen fehl am Platze. Nimm einen mittleren Schluck, was ca. 2-3cl entspricht. Damit hast du genug Wein im Mund, der sich dann überall gut verteilen kann. Nun «kaust» du den Wein und schluckst ihn runter.

Dabei wirst du auf die Süsse und Säure stossen. Die Säure erkennst du daran, dass dir der Speichel im Mund anfängt zu fliessen. Wenn dir der Wein zu sauer ist, lass ihn etwas wärmer werden oder iss was Salziges oder Fettiges (Chips, Käse usw.) dazu. Rotwein hat Tannin – das ist die Substanz, die dir den Mund austrocknet und alles etwas pelzig macht. Du kennst das vielleicht auch von zu lange gezogenem Schwarztee oder von Walnüssen. Je älter ein Wein wird, desto feiner ist sein Tanningerüst, bis es ganz verschwindet. Das Tannin hat sich dann gebunden und liegt u.a. als Depot in der Flasche. Wenn du einen Wein mit viel Tannin hast, mindern Käse und fetthaltige Speisen den Effekt, und die austrocknende Wirkung wird dadurch deutlich gemindert.

Fruechte Aromen Weinverkostung

Wir finden beim riechen und schmecken fast alles im Wein wieder.

Im Mund spürst du auch den Körper und die Viskosität, respektive dessen Textur. Es wird auch das Mundgefühl genannt. Zum Vergleich: Wasser ist dünnflüssig und hat einen sehr leichten Körper. Hingegen ist Mangosaft dickflüssig und körperreich. Je mehr Aromen du im Wein findest, desto komplexer und besser ist die Qualität des Weines.

Nach dem Schlucken wirst du auch die sogenannten Retronasalen Gerüche riechen. Atme dazu einmal ein und aus. Du wirst überrascht sein, was du hier nochmals alles riechen kannst.

Die Bewertung

Es gibt zwei Arten von Wein: Schmeckt – Schmeckt nicht. Das kannst auch du, und da kann dir kein Mensch dreinreden. Denn zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden. Und wenn du eine Weile am Wein trinken bist, wirst du merken, dass sich dein Geschmack über die Zeit und mit der Erfahrung, die du sammelst, verändern wird.

Wir alle kennen die Punkte der Weinkritiker und Weinhändler. Die verbreitete ist die 100-Punkte-Skala, wobei man hier ab 50 Punkten aufwärts Punkte verteilt. Kurz zusammengefasst sieht das wie folgt aus

Wein und Kaese Einladung Flyer

Die Punkte Skala gilt für alle Weinkritiker, ausser Luca Maroni. Da ziehst du besser immer 10 Punkte ab (manchmal besser mehr).

Du kannst also sehen, dass ein Wein bereits ab 80 Punkten Trinkgenuss bieten kann. Ab 90 Punkten haben wir einen herausragenden Wein, und ab 95 dann die absolute Spitze. Jetzt ist klar, dass ich nur noch 100-Punkte-Weine trinke, oder nicht? Unsere Empfehlung dazu: Vergiss die Punkte. Sie sagen nur etwas über die Qualität eines Weines aus, und nicht, ob er dir schmecken oder beim Trinken Spass machen wird. Uns spielen Punkte keine Rolle, denn wir wollen Spass im Glas. Und das kann auch ein einfacher Wein problemlos bieten.

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